Polizeiärztliche Untersuchung

Polizeiärztliche Untersuchung nach PDV 300

PDV 300 klingt erst einmal verwirrend und sorgt oftmals für Ungewissheit unter den Polizeibewerbern. PDV 300 steht für nichts anderes als Polizeidienstvorschrift 300 welche die körperliche und gesundheitliche Tauglichkeit für den Polizeidienst regelt. Diese Verordnung gilt für die gesamte Bundesrepublik Deutschland und ist somit in allen Bundesgebieten anzuwenden. Egal ob in Bayern oder in Sachsen, die Polizeiärzte orientieren sich an der PDV 300.

Hohe körperliche Anforderung wird an die Polizeivollzugsbeamten  gestellt, die eine langfristige und uneingeschränkte gesundheitliche Eignung erfordert. Durch eine polizeiärztliche Untersuchung im Laufe des Auswahlverfahrens wird sie durch Ärzte der Polizei festgestellt.

Falls schwerwiegende Erkrankungen bestehen, Operationen bzw. Unfälle vergangen sind und noch andauernde Behandlungen stattfinden, müssen entsprechende ärztliche Berichte in gesondertem, mit einer Kennzeichnung „vertrauliche Arztsache“ markiertem Umschlag, den Bewerbungsunterlagen beigelegt werden.

Wie bereitet man sich am besten auf die polizeiärztliche Untersuchung vor?

Diese Frage stellen sich natürlich viele Bewerber, doch sie ist nicht einfach zu beantworten. Damit der Traumberuf Polizist Realität wird, muss die polizeiärztliche Untersuchung unbedingt bestanden werden.

Falls man eine gute „Grundgesundheit“ mitbringt und der Drogentest ebenfalls gut ausgeht, wird man laut Erfahrungen mit der polizeiärztlichen Untersuchung keine Schwierigkeiten mit dem Bestehen dieser Untersuchung haben. Eine Vorbereitung ist insofern schwierig, da man „Gesundheit“ nicht trainieren kann, was aber nicht heißt, dass man nichts für seine Gesundheit tun kann.

Ein paar allgemein gültige Tipps: 
  • gesunde Ernährung
  • regelmäßiger Sport
  • ausreichend Schlaf
  • wenig (kein) Alkohol

Diese Tipps sind keinesfalls ein Geheimnis sondern sollten allseits bekannt sein. Das Schwierige ist nur, sich auch daran zu halten. Und hierzu braucht es Disziplin. Da man sich ohnehin auf für den Sporttest vorbereiten muss, sollte regelmäßiger Sport kein Problem sein. 

Um sich für den Deutschtest, für viele Bewerber der schwierigste Teil, ordentlich vorbereiten zu können, ist es nicht besonders schlau bis spät in die Nach feiern zu gehen. Man sollte ausschlafen und sich dann wieder konzentriert der Vorbereitung für den Einstellungstest zuwenden. 

Was diese Beispiele verdeutlichen sollen: Man muss für die ärztliche Untersuchung nicht besondere Trainingseinheiten oder dergleichen einlegen, sondern einfach auf seinen Körper achten. 

Ablauf der polizeiärztlichen Untersuchung

Was wird bei der ärztlichen Untersuchung bei der Polizei gemacht?

Polizisten müssen nicht nicht nur körperlich fit und sportlich sein, sie müssen ebenfalls psychisch gesund sein, da die Polizeiarbeit körperlich belastend und oftmals auch emotional anstrengend ist. Für das Ermitteln des Gesundheitszustands, ob die Kandidaten die nötige körperliche Leistungstauglichkeit für einen Polizeidienst mitbringen, gibt es die medizinische Untersuchung. Sie wird durch einen Polizeiarzt bzw. -ärztin durchgeführt. Eine derartige polizeiärztliche Untersuchung besteht normalerweise aus einer:
  • allgemeinen ärztlichen Untersuchung
  • Sehtest
  • Hörtest
  • EKG
  • Lungenfunktionstest
Falls mehr Befunde nötig sind, werden ergänzende Untersuchungen durchgeführt. In solchen Fällen muss der Kandidat die angeordneten ärztlichen Untersuchungen durchführen lassen, danach muss er auch das jeweilige Attest einreichen. In manchen Bundesländern gehört zudem ein Drogenscreening zu der polizeiärztlichen Untersuchung.

Vor der Bewerbung müssen alle Bewerber ausführliche Angaben zum eigenen gesundheitlichen Zustand machen sowie einen Fragebogen ausgefüllt haben und eventuell weitere Befunde und Bescheinigungen einreichen. Zu Beginn der Untersuchung geht der Arzt mit dem Kandidaten diese Unterlagen einmal schnell durch.

Dann kommt die eigentliche Untersuchung, die von „Kopf bis Fuß“ ist. Die Halte- und Bewegungsapparate wie Knochen, Muskeln und Gelenke werden untersucht, ebenso wird die Atmung und die Reflexe durchgecheckt. Ferner werden bei der Untersuchung Ohren und Gebiss begutachtet. Auch muss man eine Urinprobe abgeben,  zudem wird ein Bluttest durchgeführt. Beide Proben wertet man danach im Labor aus.

Sehtest

Häufige Fragen wie

  • Wie viel Dioptrien darf man bei der Polizei haben?
  • Kann man mit Sehschwäche Polizist werden?
  • Wie viel Prozent Sehkraft kann man haben?

werden hier beantwortet. 

Der Sehtest verwendet man vor allem für Testen vom Sehvermögen und Herausfinden, ob bestimmte Anforderungen laut PDV 300 erfüllt werden könne. Dazu gibt es eine Reihe von diversen Tests wo die Sehstärke, das farbliche und räumliche Sehen, die Blendempfindlichkeit sowie das Dämmerungssehen ermittelt wird.

  • Bei einer Weitsichtigkeit darf die Dioptrienzahl nicht bei einem bzw. bei beiden Augen über +2,5 liegen.
  • Ebenso darf es keinen Unterschied zwischen der Fehlsichtigkeit der Augen geben, die über 2,5 Dioptrien ist.
  • Bei vorhandener Fehlsichtigkeit darf sich aus Kurz- oder Weitsichtigkeit und Stabsichtigkeit keine Gesamtdioptrienzahl (astigmatische Komponente) über +/- 2,5 ergeben.

Bewerbung mit Brille - geht das?

Auch wer von einer Sehhilfe abhängig ist, ist man nicht automatisch untauglich für einen Polizeidienst. Trotz einer Brille kann man sich also für einen Polizeidienst bewerben, sofern man bestimmte Grenzwerte nicht überschreitet. Dazu muss man vor der Bewerbung von einem Optiker oder Augenarzt ein augenärztliches Attest über die Sehleistung ausstellen lassen. Die Kosten belaufen sich dafür auf ungefähr 20 bis 30 €. Nur falls Sie das Formblatt eingereicht haben, können Sie den Sehtest ebenso mit Brille machen.
Ist man Brillenträger, so muss man den Sehtest mal mit und mal ohne Brille durchführen, denn eine Bedingung für die Polizeidiensteignung ist, dass man ohne Brille weiter genügend scharf sehen kann. Wer ausschließlich Kontaktlinsen trägt muss sich eine Brille zulegen, denn diese sind weder beim Sehtest noch im Polizeidienst erlaubt.

Aufgrund von gesundheitlichen Risiken ist nur das Tragen von Brillen während des Dienstes für die Polizeibeamten erlaubt. Denn gelangt ein Fremdkörper während eines Einsatzes zum Beispiel unter einer Linse, kommt man in Berührung mit Reizgas oder man bekommt einen Schlag ins Gesicht, kann dies fatale Konsequenzen für die Augen haben. Im besten Fall würden die Augen bloß  zu tränen beginnen und man sieht nichts, was aber auch heißt, man kann einer Person in Not nicht helfen oder sich selbst verteidigen.

Die Forderungen an das Sehvermögen sind ebenso bundesweit in der einheitlichen PDV 300 geregelt. Ohne eine Brille soll die Sehleistung bis zum zwanzigsten Lebensjahr mindestens 50%, dann 30% auf beiden Augen betragen.

Hörtest

Ebenso müssen Ohren und Gehör einwandfrei funktionieren, da Polizisten oft mit Menschen reden sowie ihnen zuhören müssen. Hierbei darf es keine Missverständnisse geben bloß da ein Wort nicht richtig verstanden wurde. Man sitzet beim Hörtest in einer schallisolierten Kabine mit aufgesetzten Kopfhörern. Hier werden den Kandidaten unterschiedliche Tonfrequenzen abgespielt.

Beim Erklingen von einem Signal muss der Kandidat das entweder über Handzeichen oder Knopfdruck zeigen. So wird die Hörleistung bzgl. Störungen in der Hörleistung sowie Einschränkungen wie z.B. Hörsturz, Entzündungen, Beschädigungen an dem Trommelfell oder Tinnitus überprüft.
Übrigens hört ein Mensch am besten im Frequenzbereich von 500 bis 6.000 Hertz. Dies ist jener Bereich, wo sich unsere Sprache bewegt. Bezüglich Lautstärke: Die leisesten noch hörbaren Geräusche haben einem Wert von circa 0,1 Dezibel, wobei 120 Dezibel unsere Schmerzgrenze erreicht.

Zähne

Gesunde Zähne und ein funktionierendes Gebiss sind ebenso ein Kriterium für das Bestehen dieser ärztlichen Untersuchung. Sollten man also gesundheitlich (Karies) oder optisch angefaulte Zähne haben, kann dies ein negatives Indiz für die Aufnahme zum Polizeidienst sein.

Daher sollte man rechtzeitig vor dem geplanten Einstellungstest Termin seinen Zahnarzt aufsuchen und abklären ob Behandlungen nötig sind. 

Es wird bei den Zähnen ein besonderes Augenmerk auf ein funktionierendes Gebiss geachtet. Kieferorthopädische Behandlungen müssen abgeschlossen sein, bevor man zum Einstellungstest antritt. Verfaulte Zähne deuten auf mangelnde Hygiene hin und die Zahngesundheit hängt oft direkt mit der allgemeinen Gesundheit eines Menschen zusammen. Gesunde Zähne deutet auf einen gesunden Körper hin und das auch in Zukunft. Und die Polizei will auch sicherstellen das man in Zukunft noch seinen Dienst ordentlich versehen kann. 

Wenn man nur einen schiefen Zahn oder einen fehlenden Zahn hat, ist das natürlich nicht automatisch Ausschlussgrund! 

Belastungs-EKG

Das Belastungs-EKG ist eine gängige Methode um die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems zu testen. Beim Belastungs-EKG bekommt man Elektroden an Beinen, Brust und Armen angebracht. Anschließend muss man für die Dauer von 12 min in die Ergometerpedale treten. Innerhalb dieses Zeitraums wird die Belastung immer weiter hochgefahren. Ein Beispiel: Im Bundesland Hessen muss der Puls sich 6 Minuten nach der Belastung wieder unterhalb von 100 bpm (Herzschläge pro Minute) befinden.

Daran scheitert eine Vielzahl von Bewerbern – denn oft sind sie schlicht zu aufgeregt. Diese Komponente sollte man stets im Hinterkopf behalten. Am besten man geht die Situation bereits im Vorfeld gedanklich durch, was sehr oft hilft, die Nervosität zu reduzieren und der Puls beruhigt sich so schneller.

Ausdauer und körperliche Fitness sind für den Polizeiberuf unverzichtbar. Deswegen werden diese Faktoren bei dem Einstellungstest ziemlich genau geprüft, und das sowohl mit dem Sporttest als auch mit dem Belastungs-EKG.

Wie bereitet man sich auf ein Belastungs EKG vor?

Lege bei der  Vorbereitung einige extra Einheiten Ausdauertraining ein, und bewege dich regelmäßig, übe sportliche Aktivitäten wie Fußball spielen oder ähnliches aus. Das extra Ausdauertraining wird helfen, das Belastungs-EKG ohne Schwierigkeiten zu meistern.

Body-Mass-Index (BMI)

Das Wiegen und Messen vom Körper, um daraus resultierende Daten (BMI) zu ermitteln, stellt ebenfalls ein Teil der Untersuchung beim Polizeiarzt dar. Denn in vielen Bundesländern gibt es eine Mindestgröße (160 cm – 165 cm), die für Aufnahme bei der Polizei unabdingbar ist.

Gleichzeitig muss aber auch Körpergröße und Körpergewicht in passendem Maß zueinander stehen. Dieses Verhältnis berechnet man mit dem Body-Mass-Index.

Formel:
Das Körpergewicht (kg) wird 2 mal geteilt durch die Körpergröße (m).
Beispielperson: Gewicht: 62 kg, Größe: 165 cm
Rechnung: BMI = 62 ÷ 1,65 ÷ 1,65 = 22,77

Drogentest beim Polizeieinstellungstest

Neben den aufgezählten Standarduntersuchungen gibt es ebenso ein Drogenscreening bei der polizeiärztlichen Untersuchung. Die abgenommene Blut- und Urinprobe wird im Labor auch auf eventuelle Drogen durchgecheckt. Sollen diese Untersuchungen positiv ausfallen, so wäre das ganze Auswahlverfahren beendet und man wird als polizeidienstuntauglich eingestuft. Wenn man aber wirklich zur Polizei will, für den sollte dieser Test ein Problem darstellen 🙂 

Polizeidienstuntauglichkeit und Ausschlussgründe bei der Untersuchung

Was ist Polizeidiensttauglichkeit?

Gesundheitliche Einschränkungen, die eine Polizeidienstuntauglichkeit als Folge haben, lassen sich in 4 Abschnitte einteilen:

  • bei ungenügender Gesundheit bzw. körperlicher Belastbarkeit: Starke Allergien, chronische Erkrankungen, Verletzungen
  • bei überhöhter Verletzungsgefahr, z.B durch zu große Brustimplantate
  • bei ungenügender psychischer Belastbarkeit, z.B. Persönlichkeitsstörung
  • bei Suchtmittelkonsum oder einem Konzentrationsproblem

Kann man bei der polizeiärtzlichen Untersuchung durchfallen?

JA. Die Gründe dafür sind unterschiedlich aber letztlich ist einer der 4 oben genannten Gründe verantwortlich für die Polizeidienstuntaglichkeit. Die Durchfallquote ist in den Bundesländern verschieden. In einigen Bundesländern ist die Durchfallquote beim gesamten Einstellungstest zum Teil sogar über 90%. 

Quelle:

  •  bka.de – gesundheitliche Einschränkungen